Mittwoch, 10. November 2010

Milford Track

Zusammenfassung
Was für eine Wanderung! 53.5 Kilometer absolut unbeschreiblich. Es ist absolut nachvollziehbar, dass diese Wanderung ganz oben auf Listen der schönsten Wanderungen der Welt steht. Teile davon könnte man bestimmt auch in der Schweiz sehen, aber wen interessiert das schon, ich bin ja jetzt in Neuseeland! Tipp: Die besten Bilder kommen dann zuunterst...

Anreise
Den Bus in Queenstown führte mich bis Te Anau, wo sich das Besucher-Zentrum des Fiordland Nationalparkes befindet. Dort musste ich meine Tickets abholen, die ich für die 3 Hütten während der Wanderung brauchte. Ausserdem die beiden Schiffs-Tickets um an den Start zu gelangen und vom Ende wieder zurück in die Zivilisation.
Ein anderer Bus fuhr dann bis zum Schiff. Eigentlich hätte ich dort das spätere Schiff gehabt, aber es regnete und es sah nicht so aus, dass ich dort für 3 Stunden Fotos machen konnte. Das Schiff hatte mehr als genügend Platz mich auch mitzunehmen.

Tag 1
Vom Schiffssteg bis zur ersten Hütte waren es nur 5 Kilometer. Man musste in der ersten Hütte übernachten, das ist so geregelt. Aber gegen einen kurzen ersten Tag im Regen hatte niemand etwas. Es regnete allerdings nicht sehr stark und so war es nicht so schlimm. Die Kamera wurde allerdings etwas feucht, da ich auf Bilder nicht verzichten wollte. Der Busch/Regenwald war sehr grün, sehr viel Moos überall, überwachsenes Zeugs, so Dinge die herunterhängen ... schwierig diese Dinge zu beschreiben, es war einfach sehr speziell. Der Regen machte alles etwas spezieller als sonst. Nach den ersten Kilometern war schon klar, dass es eine super Wanderung wird. Unterwegs habe ich Eva kennen gelernt, mit der ich den meisten Teil gelaufen bin.

Nachdem wir in der ersten Hütte angekommen waren, ging es auch nicht lange, bis sich die Sonne zeigte. Das verwandelte die ganze Umgebung ein bisschen, plötzlich waren Berge sichtbar die man vorher noch nicht gesehen hatte. Ziemlich eindrücklich. Ich ging dann wieder etwas Fotografieren...



Nach meinem Abendessen, das aus einem Fertig-Reis-Pack bestand, ging ich nochmals an den Fluss und versuchte ein paar Fliessend-Wasser-Fotos zu machen. Allerdings war ich schon reichlich spät und es klappte nicht so gut.



Tag 2
Das Wetter am Morgen versprach noch Sonnenschein. Aber die versteckte sich wenig später wieder. Die 16 Kilometer an diesem Tag waren aber sehr angenehm zu gehen. Nicht zu kalt, nicht zu warm. Für mich hiess das kurzes Shirt und 3/4 Hose, meine Standardausrüstung. Für Andere war es aber kälter, aber ich, der so viel schwitzt, bringt ja nichts, wenn ich meine Jacke voll schwitze... Der Weg war immer leicht steigend und führte ständig dem Fluss entlang. Der Fluss mit grünlichem Wasser war ebenfalls super anzusehen. Der Wanderweg selber war sehr abwechslungsreich und nach jeder Kurve irgendwie wieder wert ein Foto zu machen. Die Fotos sehen zwar alle sehr ähnlich aus, aber es war halt schon anders.

Heute war ich mehrheitlich alleine unterwegs. Ich habe dann immer wieder Einige bei den bekannten Lunch-Plätzen getroffen. Und die Regel, dass wenn man irgendwo stoppt, dass Andere auch stoppen, stimmt immer noch. Ich platzierte meinen Rucksack in der Nähe des Flusses, ging ein paar Fotos machen. 5 Minuten später waren 5 Personen dort. ;)

Auf diesem Abschnitt der Wanderung konnte man unzählige Wasserfälle von den steilen Felswänden links und rechts des Tales beobachten. Das Wetter erlaubte zwar nicht sehr gute Bilder, aber um einen Eindruck davon zu gewinnen war es sensationell. Ich machte noch einen Abstecher zum "Hidden Lake", der eigentlich geschlossen war. Aber man kann mich schwer aufhalten. Bei einem Wasserfall verliess ich ebenfalls den Weg und musste mir das von näher anschauen. Gleich daneben hatte es noch Schnee und wie eine kleine Grotte mit einem Wasserfall darin. Natürlich habe ich mir das genauer angeschaut.

Bei der zweiten Hütte angekommen, ging es wiederum nicht lange, bis sich das Wetter besserte. Das half mir bei einer Entscheidung, die ich mit mir herum trug. Denn ich las in meinem Wanderbuch, dass man bei gutem Wetter den Pass (den man am nächsten Tag sowieso überwinden musste) am Abend/Sonnenuntergang besteigen soll um die Aussicht zu geniessen und dann mit Stirnlampe wieder zur Hütte zurück zu kehren.

10 Kilometer + 500m Steigung extra
Nach dem Abendessen, so nach 18.00 Uhr startete ich. Es wollte mich niemand begleiten, interessanterweise. Ich startete wieder mit meinem kurzen Shirt, obwohl es schon merklich kühl war. Ich packte aber Thermo, Pullover, Kappe und Jacke in einen Sack und trug das neben Stativ und Kamera mit. Ich hatte noch Wasser und meine Stirnlampe dabei. Bald bemerkte ich, dass es da oben schon ziemlich cool wäre, auch noch mit Licht und so beeilte ich mich ein wenig. Nach knapp einer Stunde dachte ich ich wäre schon oben. Aber das war noch die Spitze aber es sah schon super aus. 10 Minuten später war ich beim höchsten Punkt und dort windete es! Es windete wirklich! Ich musste mein Stativ mit Steinen belegen, damit es nicht wegflog. Ziemlich eindrücklich. 5 Minuten später war ich bei der Berghütte angekommen (die übrigens die 4. Hütte ist, weil die anderen 3 wegflogen...). Zu meiner Überraschung traf ich dort Jo und Phil, ein pensioniertes Paar (das glaube ich jedenfalls), die den Wanderweg pflegen, bauen usw... Ich plauderte dann mit Ihnen einige Zeit, bevor ich kurz vor dem Sonnenuntergang zum höchsten Punkt aufbrach. Und etwas hatte ich vergessen - Handschuhe. Ich fror mir die Finger ab in diesem Wind. Ich spürte nicht mal mehr, wenn ich den Auslöser der Kamera drückte. Ich musste die Linke Hand zu Hilfe nehmen um den Finger der rechten Hand voll auf den Auslöser zu drücken ...

Als ich so da oben die rötliche Stimmung genoss war ich extrem schadenfroh, dass ich der Einzige war, der dies miterleben durfte. Ich fühlte mich super da oben. Glücklich und froh da zu sein, obwohl ich mir den Arsch abfror. Kurz nachdem die roten Wolken verschwanden, begab ich mich auf den Abstieg.


Der Weg nach unten war mit der Stirnlampe kein Problem. Ich war voll auf den Weg konzentriert und musste ja keine Bilder mehr machen. Ich war in nur 50 Minuten wieder bei der Hütte. Reich an unbeschreiblichen Eindrücken konnte ich super schlafen.

Tag 3
Am Morgen des dritten Tages verspürte ich ganz leicht schwere Beine, aber nicht Besorgnis erregend. Ich startete etwas später als viele Andere, aber das Wetter schaute noch nicht so toll aus, um auf dem Pass zu sein. Ich kannte ja den Weg schon bestens und war auch mit schwerem Rucksack ordentlich zügig unterwegs und überholte Viele. Eva überholte ich auf halbem Weg und wartete dann oben auf sie. Es war ziemlich windig auch schon vor dem höchsten Punkt und so legte ich meine Windjacke auch schon früher an. Die Aussicht kannte ich ja schon, aber die andere Sonneneinstrahlung und die tiefen Wolken machten es dennoch zu etwas Neuem.

Speziell war auch, dass es am höchsten Punkt vereist war. Die Pflanzen waren gefroren und das Schild hatte noch ein paar Eiszapfen. Das war am Abend zuvor noch nicht, aber wenigstens illustriert es ungefähr die Temperatur.

Dann kam vielleicht der schlimmste Teil der Wanderung. Andere würden es begrüssen, aber ich tat es nicht. 900 Höhenmeter runter in einigen Stunden bis zur nächsten Hütte. Runter an sich geht ja noch, aber mit schwerem Rucksack geht einfach alles in die Knie. Wenigstens entschädigte der Weg für die Schmerzen. Es ging einem Bergbach entlang nach unten mit etlichen Wasserfällen. Ziemlich eindrücklich (wie viele Male habe ich nun "eindrücklich" schon gebraucht...).

Im Flachen konnte man dann noch einen Abstecher zum höchsten Wasserfall Neuseelands machen - den Sutherland Wasserfall. Höhe: 580 Meter. Aber nicht an einem Stück. Er ist in drei Wasserfälle unterteilt. Und meine Güte, er war mächtig gross! (Vergleich Eiffelturm: 320 Meter). Die Wassermassen, die vom Berg herab preschten waren krass. Ich mag ja keine riesigen Wasserfälle, aber dieser hatte trotzdem etwas Magisches. Das Spiel mit Licht/Sonne und Wasser-"Wolken" war irgendwie cool. Das Fotografieren war fast unmöglich, jedenfalls das Objektiv trocken zu halten so dass man nicht etliche Wassertropfen auf den Bildern hatte...
Eva und ich beschlossen, hinter den Wasserfall zu klettern. Das macht man anscheinend so. Es war ein kleines Abenteuer für sich. Man konnte kaum noch sehen, der Wind war so stark. Man war wohl nässer als wenn man baden gegangen wäre. Öffnete man die Augen, hatte man einen ständigen Regenbogen vor den Augen. Faszinierend!


Der letzte Teil bis zur nächsten Hütte dauerte dann glücklicherweise nur noch eine Stunde. Ein langer, aber sehr sonniger Tag ging zu Ende. Für mich war es noch nicht ganz zu Ende. Kurz bevor es zu dunkel wurde, ging ich zum nahe gelegenen Fluss und machte wieder einmal ein paar Fliessen-Wasser-Fotos - ich liebe es einfach!

Tag 4
Wir glaubten es kaum, dass es bereits der letzte Tag war. Das Wetter war super, keine Wolke am Himmel. Die letzten 18 Kilometer ging mehr oder weniger bergab oder flach, nur wenige kleine Steigungen. Der Weg wurde nie langweilig und einige Wasserfälle durften auch nicht fehlen. Das Ziel lag an einem See. Der Ort hiess Sandfly Point (Sandfliegen Punkt). Und zu den Sandfliegen kann man weiter unten lesen... jedenfalls dort angekommen und ein paar Touristen-Fotos gemacht, stiegen wir aufs wartende Boot, das uns nach Milford Sound brachte. Und was wäre besser, als nach einer Wanderung dort anzukommen? Es war spektakulär. Die Berge ragen bis zu 1600 Metern fast senkrecht vom See in den Himmel. Es war dann auch wenig später klar, dass dies einer DER Touristenorte Neuseelands sein muss.

Ja, das wars, die Wanderung war zu Ende. Ich könnte ja wieder tausende Adjektive aufzählen, aber dennoch könnte ich nicht zu 100% beschreiben, wie es wirklich war. Es war einfach nur sehr, sehr toll. Absolut weiter zu empfehlen!

Hütten
Die Hütten waren sehr luxuriös. Mit Matratzen und fast komfortabel viel Platz. Man muss also kein Zelt und kein Mätteli mitschleppen. Sehr edel. Es hatte auch immer einen grossen Aufenthaltsraum zum alle 40 Leute zu versorgen.

Andere Leute
Es hat 40 "unabhängige" Wanderer auf der Wanderung + noch "geführte" Wanderer (wie viele das sind, weiss ich allerdings nicht). Man kann relativ gut steuern, wann man auf Wanderung geht. So sieht man eigentlich unterwegs nicht sehr viele Leute und das Gefühl, es könnte überlaufen sein, kommt nie auf. Ist doch toll, kann man am Abend noch über Gott und die Welt mit anderen Leuten quatschen ...

Sandfliegen
Ich glaube überall im Fiordland-Nationalpark hat es Sandfliegen. Diese kleinen Bastarde können ganz schön ärgerlich sein. Sie stechen und das beisst dann noch ewigs. Es gibt natürlich so Insekten-Mittel womit man sicher mehr als einmal pro Tag einsprüht. Die Meisten hatte es um die Hütten herum und am "Sandfly Point". Ich glaube mich hat es nie so richtig erwischt... mein Blut ist halt nicht so gut.

Rückreise
Von Milford Sound bis nach Queenstown hatte ich einen richtigen Car und es dauerte ewigs, bis wir in Queenstown waren - so in etwa 3-4 Stunden, wenn ich mich richtig erinnere.

Keine Kommentare:

Kommentar posten