Sonntag, 19. Dezember 2010

Whanganui Journey

Es ging Schlag auf Schlag und ich war nicht mehr mit Wanderschuhen sondern mit Badehose und Sandalen im Kayak... um Morgens um 09.00 Uhr war ich dort, wo ich das Kayak mietete (Blazing Paddles) und habe angefangen, meine sieben Sachen in wasserdichte Säcke abzupacken. 5 Säcke waren voll und ich fragte mich, wie ich das alles ins Kayak bringe. Aber diese Frage beantwortete sich bald, als alles verstaut wir, inklusive Zelt und Matratze (die ich mietete).

Ich habe an diesem Morgen noch einem Schweizer Päärchen geschrieben (Damaris und Samuel), die ich bei den Emerald Lakes (Tongariro) getroffen hatte. Sie schrieben zurück, dass sie bald für eine Tagestour mit dem Kayak unterwegs sein würden. Tja, es ging dann noch 10 Minuten, bis sie direkt neben mir aus ihrem Campervan ausstiegen. ;=) Neuseeland ist halt klein. Und somit war auch klar, mit wem ich den Tag verbringen würde, weil sie mich nicht alleine auf den Fluss liessen.

Es gesellte sich dann noch ein zweites Päärchen aus Frankreich dazu (Julie + Philippe), die ebenfalls mit uns fuhren. Alle startklar wurden wir in Cherry Grove ausgeladen und unserem Schicksal überlassen.


Tag 1
Es ging erstmal darum, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Erste Stromschnellen liessen nicht lange auf sich warten. Aber alle Stromschnellen (das gilt für alle Tage), waren ziemlich flach und einfach zu befahren. Also überhaupt keine Gefahr. Der Fluss ist zu 90% sehr ruhig und man ist ständig mit Paddeln beschäftigt. Die Landschaft am ersten Tag war cool, Regenwald auf beiden Wasserseiten, abwechselnd mit Farmland. Daher haben wir auch Kühe, Schafe und Ziegen direkt am Ufer begrüssen und lautstark nachahmen können. ;)
Damaris und Samuel haben es dennoch geschafft, bei einer Stromschnelle rauszufallen (sie waren aber in einem Kanu). Ich habe dann angehalten und versucht, das Boot aus der Strömung zu ziehen.
Irgendwann hielten wir irgendwo bei einem Baum (wo es ein bisschen trockener war, weil es regnete leicht) und hatten Lunch. Bei mir gabs Toastbroat mit Salami und Ketchup.

Nach 4 Stunden oder so kamen wir beim ersten Zeltplatz an, dort wo ich die Nacht verbrachte. Lustigerweise war ich schon einmal dort, vor gut einer Woche oder so, als ich dort einen Geocache fand. ;) Ich kannte mich jedenfalls bestens aus. Die anderen 4 wurden hier wieder aufgeladen und zu ihrem Auto zurück gebracht. Philippe und Julie meinten, dass sie auch hier übernachten würden und noch was zum Abendessen mitbringen. :)

Nach einiger Zeit kamen sie wieder an und brachten Chips und Steak. Ich habe unterdessen ein bisschen Feuerholz gesammelt (weil es eine fast-offizielle Feuerstelle gab) und das hat sich natürlich super getroffen. Wir haben dann die Steak auf dem Feuer gebraten und es war richtig köstlich, wieder mal richtiges Fleisch zu haben!


Tag 2
Bevor ich startete, gingen vier Andere aufs Wasser, die 4 Tage absolvieren. Und nach mir kamen noch zwei Deutsche Mädels. Und so war ich mittendrin und somit abgesichert, wenn was passieren würde. Ich war den ganzen Tag eigentlich alleine unterwegs und bin so richtig auf Erkundungstour gegangen. Wenn immer möglich versuchte, ich in kleine Flüsse reinzufahren und einmal fand ich eine enge Schlucht mit einem kleinen Wasserfall weiter hinten.
Ein anderer Wasserfall war direkt am Fluss und war super anzusehen. Heute war mehrheitlich ein sehr sonniger Tag und dementsprechend auch warm auf dem Wasser, wenn die Sonne so richtig herunter brennt. Ich startete irgendwann so um 10.00 Uhr und kam dann irgendwann so um 18.00 Uhr endlich am Ziel an. Man ist also ziemlich lange auf dem Wasser und am Paddeln. Zwischendurch habe ich einfach nichts gemacht und mich einfach treiben lassen. Das war auch sehr schön. Landschaftlich hat sich vor allem verändert, dass es kein Farmland und Strassen mehr hatte. Nur noch Regenwald. Und meistens hatte es richtige grüne Wände oder gar riesige Felswände direkt am Ufer. Der Fluss schlängelt sich einfach so durch den Nationalpark...

Übernachtet haben ich und die beiden Mädels in einer Hütte die sogar Licht hatte. :) Sie hatten noch nie eine solche Hütte mit Matratzen gesehen und waren auch dementsprechend überrascht. Ich war noch so nett und habe ihnen beim Herauftragen ihrer Boxen vom Kayak zur Hütte geholfen. Es war auch ein ziemlich langer Weg (so ca. 300-500m), aber mit so viel Gewicht und Säcke/Boxen, die man kaum halten konnte war es schon mühsam.

Das Abendrot war sehr schön und mit Schäfchenwolken bestückt. Die Frage war nun, ob das Abendrot ein gutes Zeichen für gutes Wetter war oder die Schäfchenwolken Anzeichen für Regen...


Tag 3
Ich fuhr heute mehrheitlich mit Isabel und Tersa (habe sie dann doch noch nach dem Namen gefragt). Es fing dann irgendwann auch an zu regnen und somit wäre die obige Frage beantwortet. Ich fand auch heute einige kleinen Schluchten zum Reinfahren, aber nichts, das mich vom Hocker haute. Aber es war dennoch lustig, ab und zu den Hauptfluss zu verlassen und mal was Anderes zu machen.

Sobald man mal irgendwo anhielt, war der grösste Kampf, gegen die Sandfliegen bestehen zu können. Das war ein Problem, das sich über alle 5 Tage hinzog. Aber mit ein bisschen Spray und Nicht-Kratzen-Praxis geht das relativ gut. Aber mühsam und ärgerlich sind sie allemal.

Wir waren dann mehr als froh, dass die nächste Übernachtsmöglichkeit ebenfalls aus einer Hütte bestand und wir das Zelt nicht auf nassem Grund aufstellen musste. Eine Hütte ist vielleicht für Weicheier, aber dazu stehe ich. :) Es ist einfach toll, wenn nicht ganz alles nass ist und man im Trockenen kochen kann.

Es gab dann am Abend noch ein paar Runden UNO mit internationaler Beteiligung: Israel, Australien, Kanada, Deutschland und Schweiz.


Tag 4
Es regnete heute nur einmal - nämlich den ganzen Tag. Und zwischendurch war es so stark und mit Wind kombiniert, dass man kaum mehr vorwärts kam auf dem Fluss. Und es wurde auch entsprechend kalt. Die Temperatur des Wassers war jedenfalls angenehm warm im Vergleich. Wir machten dann einmal Lunchpause und wir schlotterten nur noch. Ich fand dann, dass dies der richtige Moment für eine heisse Suppe ist. Nach kurzer Überzeugungsarbeit nahmen auch Isabel und Teresa davon und wenig später waren wir frisch gestärkt und ohne blaue Lippen zurück auf dem Wasser.

Der "Höhepunkt" des heutigen Tages war die "Bridge to Nowhere" (übersetzt: Brücke ins Niemansland). Eine stündige Wanderung führte dorthin und wieder zurück. Wir haben unsere Kayak gekonnt in einem Schlamm-Platz angebunden. Wir waren dann ziemlich froh, als es auch mal nicht regnete und wir bei der Brücke sogar Sonne hatten. Die Brücke war ziemlich imposant anzusehen, vor allem wenn man denkt, dass die Leute diese vor 70-80 Jahren gebaut hatten (betoniert). Aber es war ebenfalls interessant, warum sie dort so eine massive Brücke hatte, irgendwo im Nirgendwo... nur Regenwald rundherum.

Zurück auf dem Wasser ging es 5 Minuten und es regnete wieder... aber auch an diesem Tag war eine Hütte das Ziel und alles war halb so schlimm.


Tag 5
Und dann kam auch schon der letzte Tag ... alle "grossen" Stromschnellen sollten an diesem Tag folgen. Aber neben leichtem Regen und fanden wir nie so richtig heraus, welche nun die grossen Stromschnellen sein sollten. Es war war ein paar Mal schon ein bisschen "interessanter" trocken durchzukommen, aber grosse Probleme bekundeteten wir keine. Nicht mal Teresa (3 Wasserlandungen) konnte ihre Statistik aufbessern. Wir mussten um 13.00 Uhr am Ziel sein und so blieb nicht sehr viel Zeit für grosse Erkundungstouren in andere Flüsse.

Am Ziel hatte es eine Bootsrampe und als wir am Ufer waren und unsere Säcke/Boxen von den Kayak entfernten, hörten wir Donner und dann konnten wir auf dem ruhigen Fluss beobachten, wie die Regenfront auf uns zu kommt... und dann kübelte es so richtig wie aus Eimern. Alles spielte keine Rolle mehr, weil wir eh keinen trockenen Ort mehr hatten...

Eine 150km lange Kayak-Tour durch eindrückliche, mäjestätische und wunderbare Landschaft ging zu Ende. Nach 5 Tagen hat man es sicher langsam gesehen, aber es machte trotzdem jeden Tag immer Spass weiter zu fahren und alles zu erkunden das es gab. Manchmal wünschte man sich, dass nach der nächsten Kurve nicht wieder ein ruhiges Stück wäre sondern wieder mal eine Stromschnelle, aber meistens passierte das Erste. :)

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